Gelesen: die Mörderfackel
Oder: wie man das Mittelmass bekämpft. Autor: Armin Reins. In Die Mörderfackel werden mittelmässige Anzeigen von Werbetextern auseinandergenommen. Soweit ziemlich amüsant. Kritisieren ist zwar ganz spannend (und macht einen Heidenspass :) ), aber ob man’s dann besser machen kann .. Keine Angst. Jeweils 3 Texter präsentieren neben einer kritischen Betrachtung noch ein “So hätt ich’s gemacht!”-Beispiel. Es scheint klar zu sein, dass bei den meisten vorgestellten (ähem ..) Anzeigen die ursprüngliche Idee wohl ganz anders ausgesehen haben muss. Aber eben, wer’s allen recht machen muss, kann nicht erwarten, dass das Resultat von irgendjemandem speziell beachtet werden wird.
Alles in allem ein spannendes Buch. Kein trockenes Lehrbuch, man muss also nicht Angst haben, dass einem die Rechtschreibreform auf den Kopf fällt oder diverse grammatikalische Stöcke zwischen die Beine geworfen werden. Es geht um direktes Aufnehmen von Werbebotschaften (Headlines), um Provokation und interessante Ideen. Oder einfach darum den Vierradantrieb des kreativen Jeeps zu finden, um aus dem Corporate Schlammloch der Mittelmässigkeit losfahren zu können. Wer vom Preis nicht abgeschreckt wird, sollte sich dieses Schmuckstück (auch verpackungstechnisch interessant, der Schinken) besorgen.
Nur damit ich auch noch ein bisschen Kritik anbringen kann: Manche der von Reins Textern vorgeschlagenen Alternativ-Anzeigen sind nicht wirklich besser als die Originale. Wer also eine geballte Ladung noch nie dagewesener Anzeigen-Ideen erwartet, wird höchstwahrscheinlich enttäuscht werden. Was dafür umso mehr rüberkommt ist, dass auch die Grossen einmal daneben liegen können. Das gibt doch Grund zur Hoffnung. :)
Die Interviews sind dagegen allesamt ziemlich interessant, man erfährt doch einiges über die Texter-Seele. Dass man zum Beispiel nicht der einzige ist, der einmal von den Clichées angetan war .. Ja, man findet sogar etwas Selbstkritik und die eine oder andere Identifikationsmöglichkeit. Die beste Anzeige fand ich allerdings die einer Texterei gegen Ende des Buches zum Thema “Chinesische Student übersetze Anleitung für dem Bedienen in der Deutsch”, oder so ähnlich.
Am witzigsten (und obendrein abgrundtief ehrlich) fand ich die Einleitung. Falls jemand eine richtige Rezension lesen will, wohlauf ..
