Samuzmedia: Regionale Kommunikationsagentur macht leere Versprechungen
Samuzmedia: Regionale Kommunikationsagentur macht leere Versprechungen Nun, ich habe nie erwartet, dass sich das Ganze zu einem internationalen Fall entwickeln könnte. In letzter Zeit passieren jedoch schon sehr, sehr interessante Dinge. Und wenn man ein wenig mit google spielt, findet man die interessantesten Sachen ..
Dieser Artikel wurde von Paul-Georg Meister recherchiert und verfasst:
Fatale Folgen eines Internet-Schwindels
Im Internet kann man etwas vorgaukeln, was gar nicht ist. Das macht der „Journalist“ Thomas Zumstein, indem er vorgibt, eine grosse Medien¬agentur zu führen. Mit fatalen Folgen.
pgm. Unter dem Namen „Samuzmedia“ führt der ehemals in Grenchen wohnhafte „Journalist“ Thomas Zumstein eine „Medienagentur“. Diese Agentur gibt vor, zu den ganz Grossen zu gehören. So ist im Internet zum Beispiel nachzulesen: „Samuzmedia, renommierteste Kommunikationsagentur im Solothurner Mittelland, baut im ersten Quartal 2007 ihre Marktführerschaft weiter aus: Samuzmedia steigerte den Gesamtverkauf um 6,6 Prozent. Das entspricht einer Zunahme von durchschnittlich 50.000 Leserschaften.“ Und weiter ist nachzulesen: „Samuzmedia ist unangefochtener Marktführer innerhalb der Kommunikationsagenturen: Jedes „Samuzi“ wird durchschnittlich von 60,59 Millionen Leserinnen und Leser gelesen. Nicht nur an ihrer Reichweite, sondern auch an den Verkaufszahlen lässt sich die Stärke von Samuzmedia ablesen. Über 85 Prozent aller Personen zwischen 14 und 64 Jahren kennen Samuz in der Region. Sie sind überdurchschnittlich gebildet, meist berufstätig und verfügen über ein hohes Haushaltseinkommen. Samuzmagazin erscheint wöchentlich.“ Diese grossmundige Ankündigung wurde dem jungen deutschen Journalisten Harry Schick aus Leverkusen zum Verhängnis. Er schloss mit Samuzmedia einen Arbeitsvertrag ab (eine Kopie liegt der Redaktion vor), in welchem Thomas Zumstein dem neuen Mitarbeiter ein Gehalt von 2’975 Euro monatlich verspricht.
Kein Geld erhalten
Aufgrund dieses Vertrages hat Harry Schick aufwändige Recherchen angestellt und eine über 120-seitige Sonderbeilage mit dem Titel „Tatort Internet“ über die Gefahren des Chat im Internet erstellt. Harry Schick erinnert sich: „Den Auftrag für das Sondermagazin bekam ich von Zumstein am 3. März und am28. März hatte ich es fertig. Der von Zumstein vorgegebene Redaktionsschluss war der 2. April. Zwischendurch habe ich Zumstein immer auf dem aktuellen Stand der Dinge gehalten, ihn also darüber informiert, was ich gerade tue, an welchem Themenbereich ich gerade arbeite und wie die Arbeit fortschreitet.“ Nun ist das Werk abgeschlossen, doch das versprochene Honorar hat Schick bis heute noch nicht erhalten. Auf verschiedene Mahnungen des Journalisten hat Zumstein bis heute mit Ausreden geantwortet. So meinte er unter anderem, er habe das Geld auf ein falsches Konto überwiesen und müsse nun warten, bis es zurück überwiesen werde, ehe er das geschuldete Honorar auszahlen könne. Doch Harry Schick, Vater von drei kleinen Kindern, will nicht mehr länger warten und hat nun einen Anwalt der deutschen Journalistenvereinigung eingeschaltet, der ihm zu seinem Recht verhelfen soll. Thomas Zumstein hat ihn inzwischen mit eingeschriebenem Brief „fristlos entlassen“ und ihm offiziell verboten, andere Journalisten über seinen Fall zu unterrichten. Das Fatale an der ganzen Geschichte ist aber, dass Thomas Zumstein noch immer per Internet Mitarbeiter/innen sucht, die in seiner „bekannten Agentur“ arbeiten möchten. Selbst auf der Webseite (Jobbörse) der renommierten Schweizer Journalistenschule MAZ sind solche Stellenanzeigen zu finden. Auch in diversen Internet-Foren taucht der Name Thomas Zumstein alias Samuz immer wieder auf. In vielen ist er inzwischen aber gesperrt worden – er darf also nicht mehr an den öffentlichen Diskussionen teilhaben. Bereits einschlägig bekannt Thomas Zumstein ist indessen auch in der Region einschlägig bekannt. Im Jahr 2002 sorgte er als Geschäftsführer der „Children Right Agency“ in Grenchen für Schlagzeilen. Damals sammelte Zumstein Spendengelder, die weltweit Kindern in Not zu Gute kommen sollten. Doch auch diese Agentur entpuppte sich schliesslich als Luftschloss. Damals schrieb Zumstein zur Spendensuche auf seiner Webseite, die bis vor wenigen Tagen noch im Internet aufgeschaltet war: „Kinderrechts und Menschenrechtsverletzungen müssen unter erheblichem Aufwand ermittelt und publik gemacht werden. Es entstehen Kosten durch die Entsendung von Delegationen und Prozessbeobachtern oder auch durch die Unterstützung von gefangenen Kindern und/oder deren Familien. Children Right Agency legt grossen Wert auf finanzielle Unabhängigkeit und nimmt deshalb grundsätzlich keine Regierungsgelder an.“ Fast wortwörtlich die gleiche Formulierung ist auch auf der Webseite von Amnesty International zu finden.
Thomas Zumstein entlarvt sich damit einmal mehr als „Schaumschläger“. Dem deutschen Journalisten Harry Schick nützt diese Erkenntnis allerdings wenig. Auch wenn er einen Anwalt einschaltet, wird es für ihn schwierig sein, zu seinem Recht zu kommen. Es bleibt ihm wohl nicht viel anderes übrig, als zu versuchen, seine Recherche einem seriösen Medium zu verkaufen.
Weshalb die lokalen Instanzen der Justiz hier noch nicht eingeschritten sind..? - Nun, das ist eine Frage, die früher oder später beantwortet werden sollte. Klar ist jedoch, dass sich diese Sache mehr und mehr ausweitet und Zumstein vielleicht sogar bald Existenzen auf dem Gewissen hat. Auch die betroffenen Anbieter von Plattformen zur Veröffentlichung von Stelleninseraten sollten überdenken, ob sie beim Spiel von Zumstein mitmachen wollen.
Die im zitierten Artikel erwähnten kopierten Textpassagen/Plagiate sind übrigends nicht die einzigen, das zieht sich durch Zumsteins Schaffen wie ein “gäderiges” Filet: Die meisten Artikel in gutem Deutsch hat Zumstein von anderen Seiten kopiert, Namen ersetzt und vielleicht gerade mal Überschriften abgeändert. Davon betroffen sind BLICK online, Spiegel, Beobachter, Brigitte, etc. Scheinbar können Verlagshäuser doch noch etwas von der Musikindustrie lernen, wenn es ums Abmahnen geht. :-)
Eine weitere Frage ist zweifelsohne die Rolle des Internets in diesem ganzen Netzwerk aus Vorspielung falscher Tatsachen und ungewissenhaftem “Geschäftens”. Ohne teilweise Anonymität hätten Zeitgenossen wie Zumstein keine Chance auch nur minimal ernst genommen zu werden ..
